Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Haarige Angelegenheit – Was ein Fell für den Menschen bedeuten könnte

0

2021 – Die Corona-Pandemie hat uns immer noch fest im Griff und wo äußert sich das deutlicher als auf unseren Köpfen? Die Haare werden länger, die Bärte dichter, von anderen Körperstellen mal ganz zu schweigen. „Sieht ja keine*r“, redet man sich ein und doch bleibt es ein schwacher Trost. Aber habt ihr euch schonmal überlegt, dass ein Pelz auch ganz schön viele Vorteile bringen könnte?

Wie so oft zeigt uns das Tierreich, dass wir mal wieder mit Luxusproblemen kämpfen. Denn egal, wie lang unsere Haare werden, sie bleiben weitestgehend nutzlos und bereiten keine Schwierigkeiten. Trotzdem ermöglichte erst der Verlust unseres Fells unsere heutige Lebensweise. Frühe Menschen wie der Homo ergaster jagten höchstwahrscheinlich in heißen Savannengebieten. Weil sie dabei einer hohen körperlichen Belastung ausgesetzt waren, mussten sie ihren Körper stark abkühlen, um einen Hitzschlag zu vermeiden. Mit dem Verlust des Fells konnte der Mensch schließlich anfangen, zu schwitzen und durch das auf der Haut verdunstende Wasser einen enormen Kühlungseffekt im Vergleich zu behaarten Tieren hervorzurufen. Diese Entwicklungsgeschichte zeigt aber auch, dass wir heutzutage, zumindest in unseren Breitengraden, nicht mehr darauf angewiesen sind, unbehaart zu sein. Wer von uns jagt denn schon noch in der prallen Hitze sein Mittagessen? Einer Rückkehr zum Fell steht also nichts mehr im Wege. Im Gegenteil es würde zahlreiche Vorteile mit sich bringen: Wir müssten zum Beispiel definitiv keine Angst mehr vor peinlichen Schweißflecken auf unserer Kleidung haben.

Schwabentipp: Fellwuchs

Für alle sparsamen Schwaben unter uns bedeutete ein Pelz, dass wir uns rein theoretisch keine Kleidung mehr anschaffen müssten – oder zumindest nicht in dem hohen Maße wie wir es derzeit tun müssen, nur um nicht zu frieren. Polarfüchse beispielsweise halten unter anderem durch ihr dichtes Fell Temperaturen bis zu -50° Celsius aus. Stellt euch mal vor, wie viel Geld wir auf diese Art und Weise sparen könnten! Allerdings bliebe es doch fraglich, ob wir uns selbst mit Fell „nackt“ über den Weg laufen wollten. Denn das bloße Vorhandensein eines Fells wäre offensichtlich nicht gleichbedeutend mit einem Verlust des Schamgefühls. Aber wer weiß, wie sich die menschliche Gesellschaft entwickeln würde, wenn ihr die Natur ein Fell schenkte…

Viele ethische Probleme ließen sich auf jeden Fall durch den Wegfall der Kleiderindustrie lösen, wenn auch dadurch wiederum wirtschaftliche Schäden eintreten würden. Andererseits bräuchten die Menschen ja auch weniger Geld, da sie keines für Kleidung ausgeben müssten. Ich glaube, ich kann mich an dieser Stelle noch ein paarmal im Kreis drehen. Halten wir einfach fest: Für den*die Einzelne*n wäre ein Fell auf jeden Fall günstiger und global-gesellschaftliche Effekte sind nicht ausgeschlossen.

Einmal unsichtbar sein

Eine weitere durchaus praktische Funktion, die das Fell im Tierreich mit sich bringt, ist die Tarnung. Zahlreiche Fellzeichnungen ermöglichen es Tieren wie Luchsen, Heulern (Robbenbabys) oder Wildschweinen sich beinahe unsichtbar in ihrer Umgebung zu machen. Wäre das nicht in peinlichen Situationen nicht auch eine praktische Fähigkeit für den Menschen? Selbst wenn man nicht das Bedürfnis hat, einfach mal zu verschwinden, würde eine derartige Tarnung zumindest einige wirklich witzige Streiche ermöglichen – sich unbemerkt an jemanden heranschleichen, sollte so wenigstens kein Problem mehr sein. Auch als Zuspätkommer*in das Klassenzimmer weitestgehend unauffällig zu betreten oder in Ruhe den Schwarm zu beobachten, wäre plötzlich ohne größeres Herzklopfen möglich. Da fällt mir allerdings auch auf, dass Stalking in diesem Fall nochmal um einiges gruseliger und schwieriger zu verfolgen würde, als es sowieso schon ist. Vielleicht sollte das mit der Tarnung doch nicht unbedingt sein.

Eine coole Fellzeichnung hätte trotzdem etwas. Beim Zebra zum Beispiel halten nämlich die auffälligen schwarzen Streifen auf weißem Grund (oder weiße Streifen auf schwarzem Grund…?) lästige Stechmücken ab. Erklärt wird dieser Effekt übrigens heutzutage damit, dass die Fliegen auf dem gestreiften Untergrund schwerer landen können als auf einfarbigen Flächen. Auch könnten wir mit einem besonders außergewöhnlichen Fell potenzielle Partner*innen beeindrucken. In der Natur können sich nämlich nur besonders „fitte“ und damit zur Fortpflanzung geeignete Tiere eine aufwändige Fellzeichnung erlauben. Bei Leoparden beispielsweise zeigen kräftige, definierte Muster unter anderem, dass ein Tier gut ernährt ist. Übrigens kleiner Fell-Funfact am Rande: Wusstet ihr, dass schwarze Panther eigentlich auch nur Leoparden mit zwei rezessiven (verdeckten) Genen für die schwarze, scheinbar unbefleckte Fellfarbe sind? Bei günstigem Licht lassen sich aber auch hier noch Flecken erkennen.

Des Ponys Pony

Richtige Frisuren besitzen nur wenige Tiere. Pferde bilden mit Sicherheit eine große Ausnahme, wird ihr Langhaar doch fast so intensiv gepflegt wie der Pferdeschwanz des*der Besitzer*in. Tatsächlich hat weder die Mähne noch der Schweif des Pferdes aber einen Nutzen. Denn Markus Becker hat mit seinem „Roten Pferd“ auch nur einen weitverbreiteten Irrglauben besungen. Das Rote Pferd hat nämlich nicht mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt, sondern eher durch Muskelkontraktion. Weder Mähne noch Schweif noch andere lange Haare schützen das Huftier vor lästigen Fliegen. Die langen Haare sind lediglich bei der Zucht gezielt hervorgerufen worden. Sie sind also bei Pferden wie beim Menschen ein reiner Schönheitsfaktor.

Das wohl bekannteste Beispiel für eine eindrucksvolle Haarpracht im Tierreich ist wohl der männliche Löwe mit seiner Mähne. Was genau sie ihm allerdings tatsächlich nutzt, ist bis heute umstritten. Die am weitesten verbreitete Erklärung ist, dass sie attraktiv auf Weibchen wirkt. Andere Wissenschaftler*innen vermuten, dass sie vor Prankenhieben bei Revierkämpfen unter Männchen schützt. Wofür auch immer sie gut sein mag, die prächtige Mähne ist nicht zuletzt mitverantwortlich für die Betitelung als „König der Tiere“ und hat allein damit schon ihre Sinnhaftigkeit bewiesen. Da auch wir immer noch Langhaar besitzen, ist das Statussymbol „Haare“ nicht exklusiv dem pelzigen Tierreich vorbehalten, sollte aber doch an dieser Stelle vermerkt werden.

Der Faktor Niedlichkeit

Der größte Vorteil allerdings, den uns ein Fell bringen könnte, wäre, unseren Niedlichkeitsfaktor um ein Vielfaches zu vergrößern. Denn mal ehrlich: Die meisten Menschen finden flauschige Tiere süßer als nackte. Vielleicht spielt an dieser Stelle auch das Phänomen, dass man immer das haben möchte, was man nicht haben kann, eine Rolle, aber allein der Vergleich zwischen Nacktmull und Kaninchen reicht doch aus, um zu beweisen, dass mit Fell alles irgendwie schöner ist. Ein flauschiges Tier zu berühren, kostet in der Regel auch weniger Überwindung, als das bei einem schuppigen oder anderweitig unbehaarten Lebewesen der Fall ist. Mit einem eigenen Fell könnte man sich als Mensch nun auch ganz unverblümt selbst streicheln und kuscheln. Nicht, dass das jetzt nicht auch schon funktioniert, aber mit flauschigem Fell wäre das doch eindeutig ein bisschen weniger seltsam und auch viel schöner. Es ist sogar wissenschaftlich erwiesen, dass das Streicheln eines pelzigen Haustieres Stress reduziert. Vielleicht würde die Welt insgesamt ein bisschen entspannter, wenn alle Menschen Fell hätten – wer weiß.

Sollte diese Entwicklung allerdings heutzutage spontan eintreten, könnte das wiederum zu erheblichen Problemen für alle Fellallergiker*innen führen, was wiederum zu großen Spannungen zwischen einzelnen Individuen führen könnte. Die entscheidende Frage wäre dann: Kann man auf sich selbst allergisch reagieren und falls ja, welche Auswirkung hätte das? Dauer-Niesen? Zugeschwollene Augen? Juckreiz? Schlimmeres? Und was bedeutete das für die Menschen, die mit ihrem eigenen Fell nicht auskommen? Eine brutale „survival of the fittest“-Selektion?

Wenn ich darüber nachdenke, ist es vielleicht doch ganz gut, dass wir Menschen (noch) kein Fell haben, um nicht das Leben zahlreicher sowieso schon gebeutelter Allergiker*innen zu gefährden. Sollte sich diese Pandemie allerdings noch länger für Frisörschließungen sorgen, ist es gut möglich, dass einige von uns schneller als erwartet herausfinden, was uns ein Fell nützen könnte – zumindest, wenn sie vorher nicht schon tot sind, weil sie mit Schwung gegen irgendwelche Dinge gelaufen sind, die sie aufgrund ihrer langen Haare nicht mehr gesehen haben.     

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.